Archiv der Kategorie Literatur

damals & heute Nr. 6

Schlug Arminius die Römer im Delbrücker Land?

Damit erst gar keine Missverständnisse auftauchen. Die Varus-Schlacht fand definitiv nicht in Delbrück statt. Aber das was der Autor des Beitrages in damals & heute Nr. 6 darstellt, ist ein Stück Wissenschaftsgeschichte. Denn noch immer ist der Ort der Varusschlacht nicht zweifelsfrei geklärt. Die Suche nach dem Ort ist aber schon Jahrhunderte alt.

damals & heute Nr. 6

In einem lesenswerten Aufsatz macht Jürgen Rade darauf aufmerksam, dass der westfälische Humanist Johannes Cincinnius den Ort der Schlacht “tuschen den wateren der Emesen und der Lippen by dem Retborge und in der Delbruggen” vermutete. Johannes Cincinnius war um 1485 in Lippstadt geboren worden. Er hatte seinen eigentlichen Namen Johannes Kruyshaer latinisiert und nannte sich Cincinnius. Dem von ihm vermuteten Ort der Varusschlacht widmete er eine eigene Schrift, die 1539 veröffentlicht wurde.

Wer sich für den Aufsatz interessiert, kann ihn gern als PDF von mir bekommen.

Mumpro in Delbrück

Die soeben erschienen “Beiträge zur Westfälischen Familienforschung” Bd. 63/64 beschäftigen sich in 5 Beiträgen mit der in ganz Westfalen verbreiteten Familie Mumperrogge / Mumperow / Mumpro. Vier Autoren, Christian Loefke, Jochen Ossenbrink, Hans Jürgen Rade und Wolfgang Schindler, haben sich zusammengetan um die verschiedenen Zweige dieses Geschlechts zu erforschen. Alle Familienzweige, ob in Wiedenbrück, Herford, Bielefeld, Lemgo oder Delbrück gehen auf den Amtsmeierhof in Isselhorst zurück.
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Aus Delbrücker Sicht ist natürlich die Stammfolge Mumpro interessant, die mit Johann Caspar Mumpro beginnt, der sich 1686/87 als Sohn des Meiers zu Isselhorst in Delbrück niederließ. Er heiratete die Tochter des Delbrücker Gografen Hermann Vierfuß und war als Kaufmann tätig. Sein Enkel Johann Theodor Hermann Mumpro baute mit seiner zweiten Frau Dorothea Elisabetha Ulrich das bekannte Brenken-Mumprosche Haus am Delbrücker Kirchplatz.

Hans Jürgen Rade, der durch seine hervorragenden genealogischen Arbeiten in Delbrück wohl bekannt ist, zeichnet für diesen Teil verantwortlich.

Doch nicht nur der Delbrücker Teil ist lesenswert. Der Band zeigt einmal mehr, dass Genealogie nicht nur aus der Aneinanderreihung von Daten besteht, sondern spannende Familiengeschichte bietet.

Der Band ist selbstverständlich im Geneashop erhältlich

Beiträge zur westfälischen Familienforschung 63-64

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Tagungsband zum Wichart-Symposiums erschienen

Drei Jahre hat es gedauert, bis nun endlich der Tagungsband zum Wichart-Symposium vom April 2004 erschienen ist. An der Geschichte des Borius Wichart haben sich seit Jahrhunderten die Historiker gerieben und auch heute mit einem Abstand von 400 Jahren ist die Diskussion über ihn nicht immer frei von Polemik.

Ich habe auf diesen Tagungsband ungeduldig gewartet. Vor allem der Edition einer neuen Quelle, einem Bericht über den “Kampf um Paderborn” aus dem Staatsarchiv in Wien, die Stefan Ehrenpreis auf dem Symposium vorgestellt hatte,  galt mein Interesse. Und tatsächlich handelt es sich um eine äußerst spannende Quelle, die einige Aspekte der Auseinandersetzung deutlicher hervortreten lässt. So lässt der unbekannte Autor der Quelle den konfessionellen Gegensatz fast völlig unberücksichtigt und stellt Wichart ausschließlich als Rebell gegen die Obrigkeit dar.

Aus Delbrücker Sicht war diese Quelle dann aber doch enttäuschend. Denn die Ereignisse in Delbrück, wo 400 Bauern von spanischen Meuterern erschlagen wurden, kommen nur am Rande zur Sprache. Der Autor behauptet, dieses Ereignis sei ursächlich darauf zurückzuführen, dass Wichart und die Paderborner Bürgerschaft die Spanier am Tage vorher provoziert hätten. In den Quellen der Gegenseite, wird die Schuld an dem Ereignis bekanntlich dem Bischof zugeschrieben.

Insgesamt handelt es sich aber um einen spannenden Tagungsband mit Beiträgen renomierter Wissenschaftler verschiedener Disziplinen. Folgende Autoren haben Beiträge beigesteuert: Heinrich Schoppmeyer, Frank Göttmann, Stefan Ehrenpreis, Gesine Dronsz, Martin Leutzsch, Günter Bitterberg, Burkhard Neumann, Jürgen Lotterer und Bernd Beuscher.

Titel:

Gesine Dronsz / Martin Leutzsch / Harald Schroeter-Wittke (Hg.): Zwischen Politik und Religion - Der “Kampf um Paderborn” 1604 und seine Rezeption, Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte 31, Bielefeld 2006.

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Delbrücker Mirakellied von 1676

Bei der Zusammenstellung einer Delbrücker Bibliografie bin ich auf einen mir bislang unbekannten Aufsatz gestoßen, den ich aber hoch interessant fand.

Wagner, Georg: Delbrücker Mirakellied von 1676, In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 18/19 (1972), S. 154 - 159.

Darin stellt Wagner ein in der Delbrücker Pfarrchronik für das Jahr 1676 überliefertes Lied über die Wunder, die beim heiligen Kreuz in Delbrück stattgefunden haben sollen, vor. Es ist dies ein sehr schönes Beispiel barocker Volksfrömmigkeit.

Interessanterweise ist nicht nur der Text, sondern auch die Melodie überliefert. Der vollständige Text ist in dem Aufsatz zitiert und die Melodie als Bild beigegeben.

Wagner geht natürlich auch auf den historischen Hintergrund des Liedes ein und erläutert den Text. Außerdem stellt er das Lied in den Gesamtzusammenhang barocker Mirakellieder.

Um einen Eindruck von dem Lied zu vermitteln, sollen hier die ersten 5 (von 15) Strophen zitiert werden:

  1. Delbrug frolich jetz erschalle
    Christi Creutz und Wunder all
    Welche sich in allem Falle
    zugetragen jetzumal.
  2. Bischoff Ferdinandt der Zweyte
    dießes Creutz mitt Gottes Rath
    Von dem Kirchhoff in die Weyte
    Kirch bei uns versetzet hat.
  3. Ach, ihr Sunder kompt zu bußen
    undt mitt Eurem hertzen Eyß
    Thut Euch neben Jesu fußen
    legen zu dem heiligen Creutz.
  4. Dan ein schoner brun thuet fließen
    suß dießem hochwerten stamm
    So du O Mensch kanst genießen
    du seys blinde krumme lahmen
  5. Laß hier reden die breßhaften
    die blinde krumme lahmen
    So ihr gesundtheit und ihr kräfte
    hie erlangt gar Wundersahm.

(Zitiert nach dem Aufsatz von Georg Wagner)

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