Archive für März 2007

Tagungsband zum Wichart-Symposiums erschienen

Drei Jahre hat es gedauert, bis nun endlich der Tagungsband zum Wichart-Symposium vom April 2004 erschienen ist. An der Geschichte des Borius Wichart haben sich seit Jahrhunderten die Historiker gerieben und auch heute mit einem Abstand von 400 Jahren ist die Diskussion über ihn nicht immer frei von Polemik.

Ich habe auf diesen Tagungsband ungeduldig gewartet. Vor allem der Edition einer neuen Quelle, einem Bericht über den “Kampf um Paderborn” aus dem Staatsarchiv in Wien, die Stefan Ehrenpreis auf dem Symposium vorgestellt hatte,  galt mein Interesse. Und tatsächlich handelt es sich um eine äußerst spannende Quelle, die einige Aspekte der Auseinandersetzung deutlicher hervortreten lässt. So lässt der unbekannte Autor der Quelle den konfessionellen Gegensatz fast völlig unberücksichtigt und stellt Wichart ausschließlich als Rebell gegen die Obrigkeit dar.

Aus Delbrücker Sicht war diese Quelle dann aber doch enttäuschend. Denn die Ereignisse in Delbrück, wo 400 Bauern von spanischen Meuterern erschlagen wurden, kommen nur am Rande zur Sprache. Der Autor behauptet, dieses Ereignis sei ursächlich darauf zurückzuführen, dass Wichart und die Paderborner Bürgerschaft die Spanier am Tage vorher provoziert hätten. In den Quellen der Gegenseite, wird die Schuld an dem Ereignis bekanntlich dem Bischof zugeschrieben.

Insgesamt handelt es sich aber um einen spannenden Tagungsband mit Beiträgen renomierter Wissenschaftler verschiedener Disziplinen. Folgende Autoren haben Beiträge beigesteuert: Heinrich Schoppmeyer, Frank Göttmann, Stefan Ehrenpreis, Gesine Dronsz, Martin Leutzsch, Günter Bitterberg, Burkhard Neumann, Jürgen Lotterer und Bernd Beuscher.

Titel:

Gesine Dronsz / Martin Leutzsch / Harald Schroeter-Wittke (Hg.): Zwischen Politik und Religion - Der “Kampf um Paderborn” 1604 und seine Rezeption, Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte 31, Bielefeld 2006.

Funki

damals & heute Nr. 3

In der dritten Ausgabe des Informationsblattes zur Geschichte, Natur und Heimatpflege in Delbrück befasst sich Hans-Jürgen Rade mit einem äußerst schwierigen Thema. Er stellt nämlich das große Gerichtsprivileg für Delbrück von 1506 vor. Es ist sicherlich eines der bedeutendsten Dokumente der Verfassungsgeschichte Delbrücks. Schwierig ist die Interpretation und historische Einordnung des Dokumentes deshalb, weil - abgesehen von der Urkunde selber- praktisch keine weiteren Informationen dazu vorliegen.
damals3.jpg
Rade gelingt es, den Gesamtzusammenhang anschaulich darzustellen. Er schildert die brisante Situation, dass der Bischof von Paderborn bereits plant, gegen die Delbrücker zu Felde zu ziehen. Das Eingreifen des Philipp von Hörde und die Schlichtung, die ihm und anderen Unterhändlern gelingt, verhindern ein großes Blutvergießen. Über den Anlass der Auseinandersetzung kann man letztlich nur spekulieren. Rade hält sich hier an die Aussagen, die die Urkunde dafür angibt. Danach waren die Rechtsverhältnisse in völlige Unordnung geraten, bischöfliche Beamte seien ihres Lebens nicht mehr sicher gewesen und in Delbrück habe das Chaos geherrscht.

Ich persönlich glaube, dass dies eine sehr einseitige Darstellung aus Sicht des Bischofs ist. Bedenkt man, dass wir im Jahr 1506 am Vorabend des deutschen Bauernkrieges stehen und im Süden und in Mitteldeutschland zu diesem Zeitpunkt Auseinandersetzungen stattfinden, bei denen es um die Beibehaltung der bäuerlichen Rechtsgewohnheiten geht, so könnte man Ähnliches in Delbrück auch vermuten. Denkbar wäre etwa, dass sich die Delbrücker gegen die zunehmende Einflussnahme des Bischofs auf die Delbrücker Rechtsverhältnisse wehrten, dann könnte dies aus Sicht des Bischofs als Aufruhr interpretiert werden. Denkbar ist aber auch, dass es innerhalb Delbrücks soziale Auseinandersetzungen gab. Etwa dass die unteren Bevölkerungsschichten größeren Einfluss auf die Selbstverwaltung des Delbrücker Landes erstreiten wollten. Auch dies fände zu dieser Zeit in Deutschland einige Entsprechungen und auch solche ggf. mit Gewalt ausgefochtenen Machtkämpfe hätte der Bischof als chaotische Rechtsverhältnisse interpretieren können.

Insgesamt darf aber festgestellt werden, dass Rade wieder ein hervorragender Aufsatz gelungen ist und er m.W. erstmals den geschichtlichen Zusammenhang und die Urkunde selbst umfassend darstellt.

Wie immer der Hinweis: Wenn Sie sich für den Aufsatz interessieren, mailen Sie mich kurz an, ich scanne Ihnen die Ausgabe ein und sende Sie Ihnen als PDF-Datei.

Funki

Neuer Vorstand des Heimatverein Delbrück

Bei der Jahreshauptversammlung des Delbrücker Heimatvereins am 6. März 2007 wurde die langjährige Vorsitzende Thea Hagenhoff-Kretschmann verabschiedet und zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Als neue Vorsitzende wurde Angelika Bochnig gewählt. Ihr stehen als Stellvertreterin Christa Beer, als Kassiererin Monika Kettelgerdes, als Schriftführerin Beatrix Heimann und als Beisitzer Resel Fraune, Anita Wecker, Werner Voss, Dr. Marlies Strunz und Herbert Thiele zur Seite. Pressewart bleibt Winfried Hamschmidt.

Delbrücker Mirakellied von 1676

Bei der Zusammenstellung einer Delbrücker Bibliografie bin ich auf einen mir bislang unbekannten Aufsatz gestoßen, den ich aber hoch interessant fand.

Wagner, Georg: Delbrücker Mirakellied von 1676, In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 18/19 (1972), S. 154 - 159.

Darin stellt Wagner ein in der Delbrücker Pfarrchronik für das Jahr 1676 überliefertes Lied über die Wunder, die beim heiligen Kreuz in Delbrück stattgefunden haben sollen, vor. Es ist dies ein sehr schönes Beispiel barocker Volksfrömmigkeit.

Interessanterweise ist nicht nur der Text, sondern auch die Melodie überliefert. Der vollständige Text ist in dem Aufsatz zitiert und die Melodie als Bild beigegeben.

Wagner geht natürlich auch auf den historischen Hintergrund des Liedes ein und erläutert den Text. Außerdem stellt er das Lied in den Gesamtzusammenhang barocker Mirakellieder.

Um einen Eindruck von dem Lied zu vermitteln, sollen hier die ersten 5 (von 15) Strophen zitiert werden:

  1. Delbrug frolich jetz erschalle
    Christi Creutz und Wunder all
    Welche sich in allem Falle
    zugetragen jetzumal.
  2. Bischoff Ferdinandt der Zweyte
    dießes Creutz mitt Gottes Rath
    Von dem Kirchhoff in die Weyte
    Kirch bei uns versetzet hat.
  3. Ach, ihr Sunder kompt zu bußen
    undt mitt Eurem hertzen Eyß
    Thut Euch neben Jesu fußen
    legen zu dem heiligen Creutz.
  4. Dan ein schoner brun thuet fließen
    suß dießem hochwerten stamm
    So du O Mensch kanst genießen
    du seys blinde krumme lahmen
  5. Laß hier reden die breßhaften
    die blinde krumme lahmen
    So ihr gesundtheit und ihr kräfte
    hie erlangt gar Wundersahm.

(Zitiert nach dem Aufsatz von Georg Wagner)

Funki

damals & heute Nr. 2

Die zweite Ausgabe des Informationsblattes zur Geschichte, Kultur und Heimatpflege beschäftigte sich im Juni 2006 mit einem mysteriösen Todesfall aus dem Jahr 1782. Anhand eines Gogerichtsprotokolls schildert der durch seine heimatgeschichtlichen und genealogischen Forschungen in Delbrück bestens bekannte Hans-Jürgen Rade den Vorfall, der letztlich nie wirklich geklärt werden konnten. Jedenfalls war am 21. Oktober 1782 Johannes Bannenberg im Brunnen in unmittelbarer Nähe einer Kneipe tot aufgefunden worden. Rade schildert den Fall spannend und stellt natürlich auch die einzelnen Akteure mit ihren wesentlichen Lebensdaten dar.

In einem zweiten Aufsatz berichtet der Delbrücker Chronist Gerhard Kretschmann über die Einquartierungen im Delbrücker Land und die Belastungen, die dadurch für die Bevölkerung entstanden.

damals2.jpg

Inhalt:

Hans-Jürgen Rade: Unglück oder Absicht? Ein tragischer Tod im Brunnen. Interessante Einblicke in ein noch erhaltenes Gogerichtsprotokoll aus dem Jahre 1782.

Gerhard Kretschmann: Das Volk leistete hohe Abgaben an das Militär. Viele Einquartierungen im Delbrücker Land.

Sollte Sie diese Ausgabe von damals & heute interessieren, und Sie haben keine Möglichkeit an ein Exemplar zu kommen, schreiben Sie mich bitte an. Ich werde Ihnen dann ein Scan der Ausgabe zumailen.

Funki

Namen in Boke

Am Freitag, den 23. März findet in Boke die Jahreshauptversammlung des Boker Heimatvereins statt. Neben den üblichen Regularien wird es einen Vortrag zum Thema “Haus- und Hofnamen in Boke” geben. Der Vortrag von Manfred Köllner beruht im Wesentlichen auf seinem Artikel zur Namenkunde in Delbrück, der in der nächsten Ausgabe des Informationsblattes “damals und heute” erscheinen wird. Im Vortrag wird jedoch vornehmlich mit Beispielen aus Boke gearbeitet.

Funki

Radtour durch die Delbrücker Geschichte

Unter dem Titel “Delbrücker Geschichte mit dem Fahrrad erleben” biete ich am 12. Mai 2007 für die Volkshochschule Delbrück eine Radtour an. Schwerpunkt der diesjährigen Tour wird in diesem Jahr Anreppen und Boke sein. Aber auch die Geschichte des Zentralortes Delbrück wird nicht zu kurz kommen. Vorgesehen sind bislang folgende Haltepunkte. Beginn am Kirchplatz in Delbrück, Schlinghof, Delbrücker Galgen, Anreppen, Römerlager, “Hünenburg”, St. Landolinus-Kirche Boke, Kanal, Tegetsching, Pastorat. An jedem dieser Haltepunkte wird ein kurzer Vortrag zur Bedeutung des Ortes gehalten. Die Fahrtstrecke beträgt ca. 17 km. Abfahrt ist um 14 Uhr. Die Gesamtdauer etwa 3 Stunden. Da die Veranstaltung teilnehmerbegrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung sinnvoll. Diese kann bei der VHS erfolgen (Tel.:05250-996.213).

Funki

damals und heute Nr. 1

Das Informationsblatt “damals & heute” erscheint seit April 2006 vierteljährlich als Beilage zum Delbrücker Stadtanzeiger. Bislang gab es in Delbrück kaum Möglichkeiten, Aufsätze zur Delbrücker Geschichte zu veröffentlichen. Durch die Initiative des Stadtheimatpflegers Bernhard Kößmeier gibt es nun die Möglichkeit Aufsätze zur Geschichte Delbrücks mit wissenschaftlichem Anspruch zu veröffentlichen. In der ersten Ausgabe wurde ein Artikel über Franz Nolte veröffentlicht, der vom Kaiser für seine Leistungen in der Schlacht bei St. Gotthard an der Raab in den Adelsstand erhoben wurde.

Manfred Köllner: Karriere im Schatten des großen Johann von Sporck - Im Adelsstand: Franz Nolte alias Theobald Franz von Delbrück oder Freiherr von Dewald.

damals & heute Nr. 1Der Artikel fasst die wenigen Informationen, die bislang über “Theobald” Franz Nolte bekannt sind zusammen. Er beruht vor allem auf zwei Quellen, nämlich der Akte über die Erhebung in den Adelsstand aus dem Staatsarchiv in Wien und der Akte über die Erhebung in den böhmischen Freiherrenstand aus dem Staatsarchiv in Prag. Der Lebensweg wird ansonsten anhand der Nachrichten über das Regiment Sprock, in dem er diente, rekonstruiert.

Sollte jemand näheres über Franz Nolte alias Theobald von Delbrück bzw. Freiherrn von Dewald wissen, teilen Sie es mir bitte mit. Sollte Sie der Artikel näher interessieren, schicken Sie mir eine Mail. Ich werde ihn einscannen und Ihnen zusenden.

Funki

Willkommen

Herzlich willkommen auf meinem Blog zur Geschichte Delbrücks. Ich möchte hier in unregelmäßigen Abständen Interessantes zur Delbrücker Geschichte veröffentlichen. Dazu gehören Termine, Neuigkeiten, Literaturhinweise und kleinere Forschungsergebnisse. Außerdem möchte ich über Projekte zur Delbrücker Geschichte berichten. Natürlich bin ich für jeden Hinweis dankbar und freue mich auf Diskussionen.

Funki

|